Kinderarmut in Deutschland

Ist das nicht grotesk? Deutschland ist Exportweltmeister und gehört zu den reichsten Industrienationen. Wie kann es da Kinder geben, die in Armut leben? Mit Kinderarmut verbinden wir in erster Linie das unvorstellbare Elend der Kinder in den Entwicklungsländern. Wir denken an die vielen Minderjährigen, die täglich an den Folgen des Hungers sterben. Nein, die Kinder in Deutschland müssen nicht verhungern. Dennoch stoßen wir, wenn wir die Augen öffnen, auch bei uns auf erschreckende Kinderarmut. Das wird besonders dann deutlich, wenn wir uns den Kontrast zwischen Reich und Arm in unserer Gesellschaft vor Augen führen:

Da ist Katja, zwölf Jahre alt. Sie wohnt mit ihren Eltern in einer Villa am Rande einer Großstadt. Ihr Vater ist Geschäftsführer einer großen Bank, verfügt über ein beträchtliches Vermögen. Katja bekommt alles, was sie sich wünscht. Sie besucht ein privates Elite-Gymnasium. Ihre Freizeit ist ausgefüllt mit sportlichen Aktivitäten. Sie ist Mitglied eines elitären Tennisclubs, nimmt Reitstunden, hat ein eigenes Segelboot.

Dann aber begegnen wir Tim, ebenfalls zwölf Jahre alt. Er lebt mit seiner Mutter in einem Mietshaus inmitten eines sozialen Brennpunktes der Stadt. Seine Mutter ist seit langem arbeitslos, erhält staatliche Unterstützung in Form von Hartz IV. Das reicht gerade mal zum Überleben. Aber Extras sind einfach nicht drin. Tim besucht die Hauptschule. Er ist ziemlich abgesackt in mehreren Fächern. Aber Nachhilfeunterricht ist undenkbar. Tim möchte gern in den heimischen Fußballverein. Aber seine Mutter kann die Vereinsgebühren nicht aufbringen. An der bevorstehenden Klassenfahrt kann er aus finanziellen Gründen nicht teilnehmen. Tim fühlt sich ausgegrenzt, schämt sich wegen seiner Armut.

Nicht nur Hilfsorganisationen haben festgestellt, dass sich die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter öffnet. Kinderarmut bei uns ist unauffälliger, nicht so sichtbar wie in den Ländern der Dritten Welt. Deshalb wird sie auch so wenig wahrgenommen. Im neuesten „Bericht über die Lage der Kinder in Deutschland“ wird erwähnt, dass jeder sechste Minderjährige arm ist. Kinder von Alleinerziehenden sind sogar zu 40% betroffen. Arm sind vor allem die vielen Hartz IV-Empfänger, die Langzeitarbeitslosen, aber auch Familien mit Migrationshintergrund. Würde das Kindergeld entfallen, sähe es noch viel schlechter aus. Viele Hilfsorganisationen warnen vor drohender Verarmung in unserem Lande. Arm ist derjenige, dem weniger als 60% des durchschnittlichen Einkommens zur Verfügung steht, das sind z. Zt. 781 Euro monatlich.

Kinder leiden am meisten unter der Armut. Sie verstehen nicht, warum sie an so vielen Dingen, die für andere selbstverständlich sind, nicht partizipieren können. Warum dürfen sie nicht mit ihren Schulkameraden am gemeinsamen Mittagessen teilnehmen, warum ist für sie der Schwimmunterricht tabu, warum können sie sich an keiner Klassenfahrt beteiligen? Das Geld für die vielen schönen Dinge des Lebens ist einfach nicht da. Vieles, was das Leben lebenswert macht, bleibt ihnen verwehrt. Auch ihre Bildungschancen sind geringer. Die Frage steht im Raum:

Wie viel sind uns unsere Kinder wert? Haben sie nicht alle das Recht, ausreichend betreut, gefördert, unterstützt zu werden? Warum bieten nicht alle Schulen einen kostenlosen Mittagstisch an? Warum muss das Schulmaterial vielerorts von den Eltern selbst bezahlt werden? Warum erlässt man bedürftigen Kindern nicht die Kosten für besondere Veranstaltungen? Kinder müssten in unserem reichen Land nicht verarmen. Aber hier sind nicht nur der Staat und die Hilfsorganisationen gefragt. Wir alle sollten dazu beitragen, dass diese Kinder wieder lachen, am Leben teilhaben können. Sie brauchen unser Engagement. Wie wäre es mit einer Kinderpatenschaft. Ein Erwachsener könnte z.B. einmal pro Woche mit einem armen Kind etwas Schönes unternehmen. Viele Kinder haben noch nie ein Kino von innen gesehen. Aber das ist nur ein Beispiel. Es gibt so viele Möglichkeiten, Kindern in Deutschland das Leben ein wenig lebenswerter werden zu lassen.

Es liegt an uns, unsere Augen zu öffnen und den Kindern durch Aktive Hilfe, bei Seite zu stehen, sehen wir nicht länger zu sondern erkundigen wir uns, wie wir Aktiv Kindern helfen können.

ChildX – Für die Kinder dieser Welt

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